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Niel
Mazhar
Ein Wohnbau für die Sekem
Ein Wohnbau für die Sekem Farm in Ägypten. EINE ZUSAMMENFÜHRUNG TRADITIONELLER UND MODERNER WOHNKONZEPTE
Viele Besuche in Ägypten brachten mir die schwierige Wohnsituation in einem Land näher, das zu über 96% Prozent aus Wüste besteht. Ägyptens Kultur- und Ackerland verschwindet unter dem großen Bevölkerungszuwachs. Nur 4% des Staatsgebiets sind fruchtbarer Boden und verschwinden unter Straßen, Wohnungen, Hotels und Fabriken. Ägypten ist nicht mehr in der Lage sich selbst zu ernähren.
An diesem Problem hat die zukunftsweisende SEKEM-Inititiative angesetzt. Wüstenboden wurde bewässert und durch natürliche Düngermethoden fruchtbar gemacht, eine soziale und kulturelle Infrastruktur errichtet. Es gibt Arbeit, Schulen, Theater, Cafeterien, ein Krankenhaus. Obwohl die Idee der Inititiative, in kleinerem Maßstab, die Lösung der Probleme Ägyptens zu sein scheint, wurde das Thema „Wohnbau“ auf der Farm kaum angedacht. Platz, sprich Wüstenboden gäbe es genug. An diesem Punkt wollte ich mit meiner Diplomarbeit ansetzen.
Vor rund 200 Jahren gab es einen Bruch in der islamisch-arabischen Architekturentwicklung, der seinen Ursprung im Kolonialismus hatte. Dies hatte einen kulturellen Dualismus der ägyptischen Seele zur Folge, der gleichzeitig zu überstürztem Modernismus und traditionalistischen Utopien zwischen Coca Cola und Fundamentalismus führte. Moderne Architektur spiegelt entweder nostalgisch verklärte Architektur vergangener Jahrhunderte wider, oder wird zum Spielball überstürzter Modernisierungsversuche. Existiert so etwas wie eine zeitgemäße islamisch-arabische Architektur?
Des weiteren ausschlaggebend für die Ausarbeitung meines Entwurfs für eine Wohnsiedlung auf der SEKEM-Farm waren klimatische Überlegungen und die Wahl eines angebrachten Baumaterials. Ziegelbetonbauweisen erzeugen unflexible Wohnungen, Wohnungsgrundrisse entsprechen nicht den Anforderung einer islamisch-arabisch geprägten Lebensweise. Europäisierende Zitate der Moderne bringen überhitzte Plattenbauten mit sonnenverbrannten Balkonen hervor, die als Abstellraum, Taubenverschlag oder Standplatz für die Satellitenschüssel missbraucht werden. Die Notwendigkeit großflächig verglaster Wandflächen nach europäischem Vorbild ist kaum gegeben. Fenster und Terrassentüren bleiben meist ganzjährig verschlossen und die Holzläden werden praktisch niemals geöffnet. Jalousien schützen vor dem Blick ins Private, manchmal werden Öffnungen und Balkone sogar zugemauert. Dem Wunsch nach Abgrenzung und der Schaffung einzelner exakt gesetzter Kommunikationsfelder, wie der traditionellen „hara“, der sonnengeschützten Sackgasse vor der Tür, wird kaum entsprochen. Stattdessen werden Boulevards Haussmann‘scher Ideologie errichtet.
Ich habe mit meiner Arbeit versucht an diesen Problemen anzusetzen, und typische traditionelle Einzellösungen und Elemente in neuer Form in einen Wohnbau integriert, der ohne künstliche Klimatisierung auskommen soll, Sieblinien der Privatheit schafft und erweiter- und addierbar sein kann. Verknüpft werden sollten in diesem Sinne moderne und traditionelle Wohn baukonzepte, die es den Bewohnern ermöglichen sollen, sich mit ihren Behausungen identifizieren zu können.
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