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Robert
Haas
Machtmaschine EU
Machtmaschine EU oder eine düstere Vorschau in das Jahr 2140
Einmal pro Monat findet ein bizarres Spektakel statt. Sechs Sattelschlepper und vier weitere LKW’s voll gepackt mit Akten aus Brüssel und Luxemburg rollen im Morgengrauen vor das Straßburger Parlamentsgebäude. ArbeiterInnen laden 3200 blaue und graue Blechkisten aus, bestimmt für die Plenarsitzung des Europaparlaments.
2011:
Europa beschließt, neben den zentralen Sitzen, den Bau eines beweglichen Verwaltungssitzes.
2016:
Es wird ein Europa verschiedener Geschwindigkeiten realisiert. Kerneuropa forciert den Bau der Ratsmaschine.
2025:
Der neu gewählte Unionspräsident beschließt, Schutzmechanismen an der Ratsmaschine vornehmen zu lassen. Eine Stärkung der zentralen Macht des Unionspräsidenten ermöglicht die reibungslose Durchsetzung des Projekts, unbeeinträchtigt von demokratischer Kontrolle und öffentlicher Kritik.
2059:
Der europäische Gedanke einer Einheit ist nicht mehr umsetzbar. Die Ratsmaschine, auch genannt „Machtmaschine“ kommt nie zum Einsatz.
Europa beschließt, neben den zentralen Sitzen, den Bau eines beweglichen Verwaltungssitzes. Die Annahme, mit der Maschine von Stadt zu Stadt wandern zu können, die Europäer direkt anzusprechen, und den Zusammenhalt der europäischen Gemeinschaft damit zu stärken waren die Grundvoraussetzungen für den europäischen Beschluss zur Entwicklung einer Wandermaschine
Dass sich die Maschine nur innerhalb eines kleinen Radius bewegt, oft nur innerhalb einer Stadt den Standort wechselt, um sich erneut im Stadtgewebe zu verstecken, ist wahrscheinlicher. Auch wenn die Maschine wandert, so wandert sie langsam. Auch ist die europäische Gemeinschaft von einer Lähmung betroffen. Droht die Eu an ihrer eigenen Größe zu ersticken? So spiegelt sich der derzeitige Zustand der europäischen Union in der Maschine, in ihrer Selbstgefälligkeit, in ihrer Langsamkeit wieder. Die Maschine siedelt hauptsächlich an der Peripherie von großen Städten. Die Apparatur verknüpft sich mit dem bestehenden Gewebe der Stadt. Die Wahl dieser Örtlichkeit hat strategische Bedeutung. Die Maschine nützt die Stadt wie eine zweite Haut um unterzutauchen.
Die Maschine erzeugt während der Besetzung neue Grenzen. Der Zweck der Maschine ist der Schutz einiger weniger Personen, die sich im Inneren befinden und sie gegebenenfalls verteidigt. Die Maschine schließt sie ein, versorgt sie und lässt sie zu gegebener Zeit wieder frei. Wer in diese Maschine eintreten darf, wer sich in welchen Bereichen bewegen darf, entscheidet ebenfalls die Maschine.
Die vielen Mechanismen des Schutzes zeigen, wie gewaltsam die Auswirkungen einer stattfindenden Globalisierung und wie verwundbar die individuellen menschlichen Körper sind. Vielleicht soll diese Maschine nur als Container, als Transportkiste begriffen werden. Vielleicht sind gerade diese in der Maschine befindlichen Individuen, die Kontrolle und Macht ausüben selbst Gefangene und Abhängige in einem Sarg.
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